Erfahrungsbericht

GlücksSpiraleErfolgreich beendet: Die neue FenKid®-Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte in Kitas.

 


Teilnehmerinnen der FenKid-Weiterbildung

Im Oktober 2013 startete die erste FenKid® Weiterbildung für Fachkräfte in Kitas und fand im Mai 2014 mit den Präsentationen der Facharbeiten einen professionellen Abschluss und einen fröhlichen Ausklang.

FenKid® ist inspiriert durch Emmi Pikler, Maria Montessori, Elfriede Hengstenberg und Jesper Juul. Viele Eltern und erfahrene Fachfrauen hatten uns immer wieder darum gebeten, die Inhalte des FenKid®Eltern-Kind Konzeptes auch als Weiterbildung für die Arbeit in der Krippe anzubieten.

Die Werte einer liebevollen, achtsamen Zuwendung beim Wickeln, Essen und Schlafen werden hier beachtet. Ebenso finden die Kinder eine vorbereitete Umgebung, die ihr Bedürfnis nach freier Bewegungsentwicklung bedient und sie damit sicher im Umgang mit dem eigenen Körper macht.

Eltern fühlen sich seit vielen Jahren von diesem Konzept angesprochen, denn sie werden in ihren Fragen zur Entwicklung ihrer Kinder positiv unterstützt, verstehen sich und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung der Kinder besser. Nach dem ersten gemeinsamen Jahr in unseren Eltern-Kind-Kursen wollen die Eltern diese besondere Haltung dann auch in der Krippe wiederfinden. Durch die Kooperation mit der Krippe des Netzwerks Geburt und Familie e.V., München, wurde dies möglich. Deren Eltern berichten begeistert, wie sich die gewünschte „FenKid Haltung“ nun auch in der Arbeit des Krippen-Teams zeigt.

Die Fachkräfte haben viel reflektiert und sich persönlich mit Konflikten und Aggressionen auseinandergesetzt. Konflikte unter den Kindern sind für sie kein Angstthema mehr. Ihre Begleitung der Prozesse unter den Kindern ist sehr professionell.

Was eine über acht Monate laufende Qualifizierung erreichen konnte, wurde uns in den Abschlussarbeiten präsentiert.

Wir vier Weiterbildnerinnen, v.l. Astrid Draxler, Angelika Koch, Christine Michel, Agnieszka Koziaczy, waren begeistert von den gleichermaßen fachlichen und persönlichen Entwicklungsschritten, die die Teilnehmerinnen beschrieben haben.

„Schwierige Elterngespräche machen mir keine Sorgen mehr. Ich weiß durch Rollenspiele und bereits umgesetzte Gespräche in der Krippe, wie ich in guten Kontakt mit den Eltern kommen kann und gleichzeitig meine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen kann!“
„ ….alles, was ich während der Weiterbildung gelernt habe, konnte ich in der Krippe umsetzen. Ich bin stolz und glücklich auf mich selber, dass ich es bis zum Ende geschafft habe. Ich bin sicherer, entspannter, geduldiger, bewusster und munterer geworden. Ich bin in der Mitte bei mir und ganz tief drinnen ruhiger, mein Kopf ist freier. Durch die Weiterbildung hat sich etwas bei mir gelöst. Auch sprachlich habe ich mich sehr gut entwickelt. Es war sehr schön in der Gruppe zu arbeiten, sich mit anderen auszutauschen, die Bewegungen und das Singen fand ich auch sehr toll. Meine Haltung hat sich verbessert ich bin selber achtsamer und es macht mir große Freude in der Krippe zu arbeiten. Als Thema der Abschlussarbeit habe ich: >Bewegungsentwicklung und die Aufmerksamkeitsstufen des Kindes<, gewählt.“
„Ich habe noch einiges Neue über Entwicklungsschritte von Kleinkindern und den Zusammenhang von Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung von Kleinkindern gelernt; vor allem bei der Pflege gelingt es mir im Eins-zu-Eins-Kontakt den Kindern Zeit zu lassen und ihre Aufmerksamkeit mehr auf unser gemeinsames Tun zu lenken.“

Hier finden Sie weitere Einblicke in einige Themen aus den jeweiligen Modulen:

Modul 1: Stärkung von Bindungsprozessen und deren nachhaltige Verankerung

Welche Bedürfnisse haben Kleinkinder? Was brauchen sie, um eine sichere Beziehung zur BetreuerIn aufbauen zu können? Wie kann feinfühlige Pflege und Achtsamkeit im täglichen Miteinander in der Krippe umgesetzt werden?

Die Kita-Mitarbeiterinnen haben sich im ersten Modul intensiv mit diesen Themen befasst. Dabei boten ihnen praktische Übungen reichlich Gelegenheit Erfahrungen zu sammeln und das Gelernte sofort zu vertiefen.

An Fallbeispielen wurden unterstützende Blickwinkel aufgezeigt. Dabei wurde den Teilnehmerinnen anschaulich verdeutlicht, dass jede einzelne Situation im Erziehungsalltag viele Lösungsmöglichkeiten bietet. Sie empfanden Fallbeispiele als ein gutes Training, verschiedene Lösungsmöglichkeiten durchzuspielen. "Fallbeispiele erörtern ist wie Rätsel lösen - es macht richtig Spaß", so eine Teilnehmerin.

In der pädagogischen Arbeit mit Kindern gehören Stresssituationen zum Alltag. Wie damit besser klarkommen? Antworten auf diese Frage boten zahlreiche Übungen zur Entlastung bei der Arbeit.

Die FenKid-Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte möchte den TeilnehmerInnen konkrete Hilfen für den beruflichen Alltag bieten. Deshalb sind uns ihre Rückmeldungen sehr wichtig. Hier einige Eindrücke von Teilnehmerinnen über das erste Modul der Weiterbildung:

Mehrere Kita-Pädagoginnen betonten, dass ihnen das neu erworbene Know-how aus der Weiterbildung mehr Selbstvertrauen für ihre pädagogische Arbeit gibt und ihre Motivation stärkt. Besonders aufschlussreich waren für einige Teilnehmerinnen die Lerninhalte aus der Gehirnforschung und der Bindungsforschung. Sie waren überrascht, wie differenziert die erzieherische Arbeit in diesem Zusammenhang betrachtet wurde: „Die Art und Weise, wie man mit einem Kind spricht, wie man sich ihm zuwendet, wie man es berührt, all das hat eine enorme Wirkung!“

„Die Atmosphäre in der FenKid-Weiterbildung war sehr schön: Wir waren entspannt und zugleich sehr konzentriert bei der Sache. Die Weiterbildung hat mir wertvolle Impulse und viel Motivation für meine Arbeit gegeben.

Besonders gut getan haben mir das gemeinsame Singen und der Austausch mit den Kolleginnen. Ich bin gespannt und freue mich auf die kommenden Module", so das Resümee einer Teilnehmerin zum ersten Modul-Wochenende.

Modul 2: Sichere Begleitung der frühen Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung

Nach Dingen greifen, sie drehen und wenden, damit werfen, hinterherlaufen und vom Boden aufheben... wenn Kinder ihre Bewegungsfähigkeit entfalten, entwickelt sich auch ihre Persönlichkeit weiter: Mit jedem Fortschritt in der Bewegungsentwicklung verändert sich ihr Blick auf die Welt, die sie umgibt, sie nehmen ihre Umwelt anders wahr und erobern sie neu. Wie können pädagogische Fachkräfte Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr in deren Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung begleiten und unterstützen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Moduls.

Ganz wichtig für die Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung ist die Umgebung, in der Kinder Erfahrungen machen. Eine vorbereitete Umgebung nach dem FenKid®-Konzept bietet den Kindern einen abwechslungsreichen Erfahrungsraum mit verschiedenen Elementen wie z.B. Spielwürfel, Kriechtunnel, erhöhte Matten, Kissen u.Ä.. Dies und weiteres Material zum Vertiefen und Verfeinern der Motorik wird dem Können der Kinder entsprechend aufgebaut.

Eine derart abwechslungsreich gestaltete Umgebung regt Kinder dazu an, sich im Raum zu bewegen, die verschiedenen Elemente zu erforschen und auf diese Weise neue Bewegungserfahrungen zu machen.
In diesem Zusammenhang war das Spielverhalten ein weiterer Themenschwerpunkt der Weiterbildung: Die TeilnehmerInnen haben Spielmaterial aus der Sicht der verschiedenen Altersstufen der Kinder betrachtet und behandelt.

Bewegung verSTEHEN - Handlung beGREIFEN

Während der Weiterbildung wurde deutlich, dass Erwachsene die Bewegungs- und Persönlichkeitsentwicklung umso besser begleiten können, je mehr die wesentlichen Zusammenhänge zwischen Bewegung und Handlung verständlich wurden. "Ich habe erstaunlich viel Neues gelernt, praxisbezogen", so die Rückmeldung einer Teilnehmerin.

Wie bereits im ersten Modul arbeitete das Fortbildungsteam im Wechsel mit fachlichem Input, Achtsamkeitsübungen und praktischen Erfahrungen. Viele aktuelle Filmausschnitte verdeutlichten die inhaltlichen Bezüge; auf diese Weise konnten die TeilnehmerInnen ihre Beobachtungen aus einer neuen Perspektive reflektieren.

Hier einige Eindrücke von Teilnehmerinnen über das zweite Modul der Weiterbildung:

"Das war so notwendig, nochmal zu sehen, wie komplex die Bewegungsentwicklung ist, wie viele kleine Schritte es braucht, um weiter zu kommen; Ich habe mit allen Sinnen Entwicklung entdeckt und erkundet. Endlich die Möglichkeit über die schwierigen Themen in der Entwicklung zu sprechen."
"Die Weiterbildung vermittelt einen neuen, frischen Blick auf das Geschehen in der Krippe und gibt Impulse, die Umgebung für die Kinder anregend zu gestalten."

Von der Glücksspirale gefördert, konnten wir gemeinsam die jeweiligen Module inhaltlich vor- und nacharbeiten und hatten somit die besten Bedingungen, eine nachhaltig wirkende Weiterbildung zu gestalten. Dank auch für die Bewegungselemente, die unsere Arbeit bereichern.
 

Modul 3: Kinder fördern im Spannungsfeld von Selbständigkeit und Geborgenheit

Ein bedeutsamer Aspekt in der pädagogischen Arbeit in Kinderkrippen ist der bedürfnisorientierte Umgang mit Autonomie, Verantwortung und Respekt. Zugleich geht es darum, das Lern- und Sozialverhalten von Kleinkindern zu unterstützen.
Die geregelten Abläufe des Krippentages bringen es unweigerlich mit sich, dass wir Kinder in ihren Prozessen des Forschens und Lernens immer wieder stören und unterbrechen.

Wie können Fachkräfte die verschiedenen Phasen des Lernens bei Kindern erkennen und in der pädagogischen Arbeit angemessen darauf eingehen?

Lernen gelingt am besten mit Begeisterung

Wenn wir die Forschung berücksichtigen, ist es geradezu notwendig, dass Erwachsene nicht eingreifen, wenn Kinder wichtige Lernerfahrungen machen. Es gilt also abzuwarten und inne zu halten.

Hirnforscher G. Hüther sagt: "Lernen gelingt am besten mit Begeisterung". Er beschreibt diesen Zusammenhang mit dem Bild der Gießkanne: Wenn Begeisterung dabei ist, können sich die vielzähligen Verschaltungen im Gehirn des Kindes am besten verbinden. Denn das Arbeitsgedächtnis wächst von Anfang an. Kinder haben bis zu 50 begeisterte Erlebnisse am Tag.

Welches Verständnis im Begleiten der Kinder trägt uns? Mit Fallbesprechungen und praktischen Übungen wurden die kognitiven Erkenntnisse vertieft. Selbsterfahrungen waren bereichernd und haben deutlich gemacht, wie der respektvolle Umgang mit den Kindern die Beziehung stärkt und die pädagogische Arbeit bereichert.

Musik und Bewegung fördern die Entwicklung ganzheitlich.

Gesten- und Jahreszeitenlieder gaben den Teilnehmerinnen neue Anregungen für ihre Arbeit in der Krippe.
Ebenso vertieften wir uns in die Sprachentwicklung und Wirkungsweisen unserer Stimme: Stimme macht Stimmung und Bewegung befördert auch emotionale Bewegung. Ausgleichen und fördern kann von uns begleitet werden.

"Jetzt habe ich wieder eine gute Ausstattung für meine Gesangsrunden mit den Kindern", freute sich eine Kursteilnehmerin.

Modul 4: Die Erziehungspartnerschaft mit Eltern aufbauen und stärken

Ein Vortrag über die Prinzipien eines Dialogs hat das weite Feld der Beziehungen zu den Eltern eröffnet und dann wurde praktisch geübt. Verschiedene Themenstellungen und Stolpersteine wurden nicht nur erörtert, sondern in Kleingruppen direkt erprobt.

Wie fühlt sich mein Gesprächspartner ernst genommen? Was brauche ich um ein schwieriges Gespräch führen zu können? Das und Vieles mehr wurde intensiv bearbeitet und daraus konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Hier Fragestellungen nach einer praktischen Übung:

  • „Ich fragte mich, ob du überhaupt zuhörst?“
  • „Ich konnte nicht gut zuhören, weil ich mit so vielem beschäftigt war...“
  • „Schwer, wie geht das mit dem Blickkontakt?“

Wie bemerke ich Grenzüberschreitung – wie gehe ich damit adäquat um. Wie zeigen sich Grenzen der Aufnahmefähigkeit, wie entwickeln sich überhaupt die Phasen des Dialogs?

„Ich habe gelernt, wie es mir gelingt, persönlich und professionell zu sein“.

Modul 5: FenKid® im Krippenalltag

Es herrschen viele Meinungen darüber, wann die Eingewöhnung gelungen ist. Wir haben uns diesen Zeichen gewidmet, haben die Erwartungshaltungen von Fachkräften und Eltern reflektiert und uns dem professionellen Begleiten unterschiedlicher Gefühlszuständen (z.B. der Begleitung eines weinenden/wütenden Kindes) gewidmet.

Was bedeutet es „zu helfen“? Für die Kinder da sein und die Sachzwänge des Krippenalltags zu bewältigen, zwingen uns oftmals über unsere Grenzen zu gehen. Was ist gesund, was kann ich als Fachperson daran verändern?

 

 

Modul 6: Konfliktbegleitung – Kinder im Selbständigkeitsprozess unterstützen.

Die Reflexion über die Rolle der Fachperson bei Konflikten unter den Kindern war eines der lebendigsten Elemente der Weiterbildung. Was erleben Kleinkinder in Konfliktsituationen und was lernen sie aus einer feinfühligen sicheren Begleitung?

 

 

Führen und geführt werden – Vorbild sein, wann greife ich ein, was beschäftigt mich daran persönlich. Welche Haltung wird von mir „verlangt“, was kann ich umsetzten, wo brauche ich Unterstützung.

 

 

 

 

Selbstfürsorge:

In allen Modulen wurden zusätzliche Angebote zu Rückengesundheit, körperlicher Fürsorge, Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Haltungsschulung einbezogen.

„Mich daran zu erinnern, dass ich eine Pause brauche, fällt mir jetzt leichter, weil ich weiß, wie ich auch nur wenige Minuten für mich nützen kann... und die Kolleginnen das auch tun.“

(Fotos: Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V.; Logo: Glücksspirale)

 

"Wir haben nicht nur für die Kinder gelernt, sondern auch ganz persönlich profitiert.“
Teilnehmerinnen der Weiterbildung